Vom Sanatorium "Schloss Harth" zum Lehrerbildungs-Institut

Die idealen klimatischen Bedingungen und die gut ausgebaute Infrastruktur der Stadt veranlassten zu Beginn des 20. Jahrhunderts  mehrere Baumeister, Ärzte und Hoteliers, in dem kleinen Badeort Berka zu investieren.  Der Arzt Dr. Franz Starcke begründete seine Standortwahl vor 100 Jahren folgendermaßen: "Der Talkessel, in welchem der Ort liegt, wird rings umgeben von herrlichen Nadel- und Buchenforsten ... die selbst in warmen Sommermonaten der Luft den nötigen Feuchtigkeits- und Ozongehalt zuführen... Berka besitzt eine neu erbaute Kanalisation, Quellwasserleitung sowie Gas- und elektrische Beleuchtung. Der Kurpark zeichnet sich durch herrliche Anlagen aus..."

Bereits 1899 hatte Dr. Franz Starcke in der sog. Villa "Americana"  an der heutigen Heinrich-Heine-Allee  eine kleine Kuranstalt eröffnet. Der Zuspruch war von Anfang an derart groß, dass er sich kurze Zeit später zum Bau eines repräsentativen Monumentalbaues entschloss. Das im Juli 1905 eröffnete "Schloss Harth" an der Alexanderstraße (heute Heinrich-Heine-Allee 2-4) erfüllte alle Erfordernisse eines zur damaligen Zeit modernen Sanatoriums. Größten Wert legte Starcke auf die Bestimmung des Hauses als "Gesundungsheim im besten Sinne des Wortes", daher auch die Inschrift über dem Hauptportal "Mens sana in corpore sano - Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper".

Seither erlebte dieses Haus eine wechselvolle Geschichte,  Hunderttausende Menschen gingen aus und ein.

Nach umfangreicher Sanierung bezog 1997 schließlich das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (kurz Thillm) das repräsentative Gebäude und bietet Schulung und Weiterbildung für alle Lehrer des Freistaates Thüringen.

 


aus der Geschichte

Juli 1905

Das von Dr. Starcke eröffnete Sanatorium hatte sich auf die Behandlung von Nerven-, Herz-, Gefäß- und inneren Krankheiten spezialisiert. Lungenkranke Patienten waren von der Aufnahme ausgeschlossen. Dazu hatte man 1898 die Sophienheilstätte als Lungenheilanstalt auf dem 4 km entfernten Emskopf bei München eröffnet.

Bemerkenswert die vornehme Ausstattung:  kunstvolle Wandgemälde, ein Musiksalon mit Flügel, Konversations- sowie Lese- und Schreibzimmer, Zentralheizung, Wassertoiletten, in jeder Etage Warmwasserversorgung etc.
Frühjahr 1911Aus ganz Deutschland kamen die Kurgäste nach Berka, um sich in Dr. Starckes Sanatorium "Schloss Harth2 zu erholen, darunter auch der 17jährige Rudolph Ditzen, später weltberühmt unter dem Pseudonym Hans Fallada
1921Dr. Starcke verkaufte "Schloss Harth" an die Norddeutsche Knappschafts-Pensionskasse in Halle. Die Knappschaftsheilstätte versorgte nun je Durchgang 150 bis 200 männliche Patienten mit Herzkrankheiten,
Magen-, Darm- und Lungenleiden sowie Asthma.
1934Gebiets- und Staatsführerschule. In dem einstigen Sanatorium fanden Lehrgänge für die Hitler-Jugend-Führer als Bannführer, Jungbannführer, Gauführer, Untergauführer und Führerinnen statt. Rund 120 Teilnehmer reisten je Lehrgang an.
2. Weltkrieg

Lazarett der deutschen Wehrmacht

1946 - 1948

Landesparteischule der SED

Der erste Lehrgang von KPD und SPD begann am 7. Februar 1946. Kurze Zeit später führte das Haus den Namen "Rosa-Luxemburg-Schule - Landesparteischule der SED". Im Sommer 1948 wurde die Parteischule nach Bad Blankenburg verlegt. 
1948 - 1949

Die Kapazitäten der Sophienheilstätte München zur Behandlung tuberkulosekranker Patienten waren erschöpft. Daher baute man das einstige Sanatorium "Schloss Harth" für den klinischen Betrieb um. Am 14. Juni 1949 wurden die ersten Siliko-Tuberkulose-Patienten in dem als Abteilung II bezeichneten Bereich der Heilstätten Bad Berka  aufgenommen

1969Die Zentralklinik Bad Berka richtete ein Rehabilitations- und Umschulungszentrum ein. Es entstanden  130 Ausbildungsplätze für junge Menschen mit körperlichen und gesundheitlichen Behinderungen in medizinischen Berufen wie medizinisch-technische AssistentInnen, LaborantInnen, RöntgenassistentInnen, ab 1974 Medizinische Fachschule für Körperbehinderte und Hörgeschädigte. Sie bestand bis 1992.
seit 1997Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm)

Dr. Starckes Sanatorium "Schloss Harth" 1914
Dr. Starckes Sanatorium "Schloss Harth" 1914