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Wir erinnern an Clemens Wenzeslaus Coudray (1775 – 1845)

Bad Berka hätte nicht sein heutiges Aussehen, wenn es nicht vor mehr als 200 Jahren von Clemens Wenzeslaus Coudray entscheidend geprägt worden wäre. Am 4. Oktober 2020 jährt sich sein Todestag zum 175. Mal. Geboren wurde Clemens Wenzeslaus Coudray am 23. November 1775 als ältester Sohn eines Tapezierers und Dekorateurs in Ehrenbreitstein. Auch der Junge lernte zunächst Dekorateur. Heute würden wir diesen Beruf als Innenarchitekt bezeichnen. Ab 1800 studierte er Architektur bei Durand in Paris und war dann ab 1804 als Hofarchitekt in Fulda angestellt. 1816 berief man ihn zum Großherzoglichen Oberbaudirektor nach Weimar.

Am 20. April 1816 trat er seinen Dienst an, und nur sechs Tage später erwartete ihn nach dem Großbrand in Berka eine erste riesige Aufgabe. Die Flammen hatten in einer Nacht mehr als zwei Drittel der Stadt zerstört. Der Großherzog entschied: „Berka soll neu erstehen“. Coudray organisierte den Wiederaufbau, ordnete Straßen und Plätze neu, projektierte Wohnhäuser und verlieh insbesondere dem Ensemble rund um den Marktplatz seinen klassizistischen Stil. 1824/25 baute er das Badegesellschaftshaus (unser heutiges Coudray-Haus) oberhalb des Kurparks, und ab 1830 beendete er den Bau der Kunststraße von Weimar über Berka nach Rudolstadt.

Ähnlich Berka galt es aber auch andere völlig abgebrannte Städte und Dörfer wieder aufzubauen ebenso wie den Westflügel des Weimarer Stadtschlosses, die Bauverwaltung des Landes neu zu ordnen, eine Oberbaubehörde für das gesamte Wege-, Wasser- und Zivilbauwesen zu schaffen. Coudray verantwortete 26 Kirchenbauten im Großherzogtum, darunter 1825 auch die Kirche in Tannroda. Er gründete 1829 die Freie Baugewerkschule, an der sich Handwerker kostenfrei ausbilden lassen konnten, Clemens Wenzeslaus Coudray entwickelte sich zum führenden Meister der klassizistischen Baukunst in Thüringen und gab dem Aufschwung des Bauwesens und der Architektur im Großherzogtum Weimar nach den napoleonischen Kriegen bedeutende Impulse. Darüber hinaus organisierte er auch noch zahllose Empfänge und Feste am Großherzoglichen Hof. Goethe schätzte Coudray sehr: „Er hat sich zu mir gehalten und ich mich zu ihm, und es ist uns beiden zum Nutzen gewesen. Hätte ich den vor fünfzig Jahren gehabt!“

Seit dem 16. Mai 2020 berichtete in der Tannrodaer Coudray-Kirche eine sehr sehenswerte und informative Ausstellung vom vielseitigen Schaffen Coudrays im Bereich Kirchenbau. Initiiert wurde die Schau im Hinblick auf den 175. Todestag des hochverdienten Architekten von dem Tannrodaer Andreas Koch.

Ende September 2020 ging diese Ausstellung mit dem Titel „Wie sich die Kirchen gleichen…“ auf Wanderschaft. Erste Station nach Tannroda ist ab 04. Oktober 2020 das Coudray-Haus in Bad Berka, wo die Tafeln jeweils Montag bis Freitag von 09:00 Uhr bis 12:00 Uhr und von 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr zu sehen sind.

 

Kupferstichkabinet Dresden, Foto: Boswank